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Vorlese-Geschichte: Benny und der kleine Maibaum

  • Autorenbild: Tiger Rudel Autorin
    Tiger Rudel Autorin
  • 1. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Es war ein leiser Frühlingsabend, an dem die Luft schon nach Wärme roch und die Bäume draußen sich ganz langsam im Wind bewegten. Im Kinderzimmer von Benny war es gemütlich, die Lampe war gedimmt und die warme Luft zog sich durch den Raum.


Benny lag im Bett, aber sein Kopf war noch nicht bereit zum Schlafen. Alle hatten heute über den „Tag der Arbeit“ gesprochen, und das Wort blieb bei ihm hängen. Arbeit klang für ihn nach etwas Großem und Schwerem, aber er wusste nicht genau, warum man darüber sogar einen freien Tag hatte.


Sein großer Bruder setzte sich wie so oft zu ihm ans Bett. Nicht sofort mit einer langen Erklärung, sondern erst einmal nur da, als würde er merken, dass Benny Zeit brauchte.


„Du denkst noch nach, oder?“ fragte er leise.


Benny nickte. Da begann sein Bruder ihm zu erzählen.


Früher, sagte er, mussten viele Menschen sehr lange arbeiten. So lange, dass kaum Zeit für Pausen blieb, kaum Zeit für Familie oder für Dinge, die Freude machen. Irgendwann fanden Menschen das ungerecht. Und sie begannen, sich zusammenzutun und zu sagen, dass jeder Mensch auch Zeit zum Leben braucht. Daraus entstand der Tag der Arbeit … ein Tag, der uns daran erinnert, dass freie Zeit nicht selbstverständlich ist und dass Menschen gemeinsam etwas verändern können.


Benny hörte aufmerksam zu, ohne zu unterbrechen. Er stellte sich kurze Momente vor: müde Tage ohne Pause, und dann Menschen, die plötzlich zusammenhalten und etwas Neues fordern.


Nach einer kleinen Stille sagte er nur:

„Gut, dass sie das gemacht haben.“


Sein Bruder nickte. „Ja. Sonst hätten wir heute vielleicht nicht so viel Zeit füreinander.“


Diese Worte blieben kurz im Raum hängen.


Dann setzte Benny sich plötzlich auf.

„Und was ist mit dem Baum?!“

„Welcher Baum?“ fragte der Bruder und musste schon lachen.


„Na der mit den bunten Bändern! Ich hab den heute gesehen!“ Bennys Augen wurden groß. „Der sah aus wie ein Geschenk.“


„Das ist ein Maibaum“, erklärte der Bruder. „Der hat eine ganz andere Geschichte. Der steht für Frühling. Für neues Leben… und manchmal stellt man ihn jemandem hin, den man besonders mag.“


Benny rutschte näher.

„So richtig? Einfach vor die Tür?“

„Ganz heimlich“, sagte der Bruder und zwinkerte. „Meistens nachts.“


Benny hielt kurz die Luft an.

„Ich will auch einen machen.“ Der Bruder hob eine Augenbraue. „Aha. Für wen denn?“


Benny wurde ein bisschen rot.

„Für… meine Freundin.“


Der Bruder grinste breit, sagte aber nichts Gemeines. Stattdessen stupste er ihn leicht an.

„Dann brauchst du aber Hilfe.“


Benny nickte sofort.

„Hilfst du mir? Bitte? Ich weiß nicht, wie man so einen Baum macht…“ „Deal“, sagte der Bruder ohne zu zögern. „Morgen suchen wir einen schönen Ast. Nicht zu groß. Und dann schmücken wir ihn.“


„Mit bunten Bändern!“, rief Benny leise. „Und vielleicht mit Blumen“, ergänzte der Bruder. „Dann wird er richtig besonders.“


Benny strahlte.

„Und dann stellen wir ihn ganz leise hin.“ „Ganz leise“, bestätigte der Bruder.


Benny kuschelte sich wieder in seine Decke.

„Das ist dann mein Mut-Baum“, murmelte er zufrieden. Der Bruder zog die Decke noch ein Stück zurecht.


Draußen rauschten die Bäume leise weiter, als würden sie das kleine Geheimnis schon kennen.


„Gute Nacht, Benny“, flüsterte der Bruder.


„Gute Nacht… und morgen machen wir den schönsten Baum überhaupt“, murmelte Benny schon halb im Traum.


Und während die Nacht langsam still wurde, wuchs in Bennys Gedanken bereits ein kleiner, bunter Maibaum, voller Mut, Frühling und einer ganz besonderen Idee.


Ende.


Gute Nacht meine lieben Maikinder 🤭 🌳

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